Grenzbojen

Mauerfoto: Grenzbojen aus Wannsee

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Die Grenze verläuft entlang der Havel in der Mitte des Flusses. Grenzbojen markieren den Grenzverlauf. Auf der linken Boje befindet sich auf schwarz-rot-goldenem Hintergrund das Staatssymbol der DDR - Hammer und Zirkel im Ährenkranz.

Fotografiert am:

18.8.1985

Ort:

Wannsee

Geschichten zum Bild

Während meiner Schulzeit hatte ich in der Oberstufe ein Semester lang Rudern als Sportfach gewählt. Östlich der Pfaueninsel, die wir dabei umrudern mussten, verlief die Grenze in der Mitte der Havel. Der Grenzverlauf war durch Grenzbojen markiert. In der Regel waren das schwarz-rot-gold bemalte Tonnen mit dem Hoheitszeichen der DDR: Hammer und Zirkel im Ährenkranz. An diesen Bojen kamen wir jedes Mal vorbei. Unser Vierer mit Steuermann startete beim Ruderhaus am Kleinen Wannsee. Über den Großen Wannsee ging es zur wieder zurück. Währenddessen fuhr unser Sportlehrer zur Pfaueninsel, nahm auf der Hälfte der Strecke unsere Zwischenzeit und kontrollierte so, ob wir auch tatsächlich die ganze Strecke gerudert waren. Zum Abschluss des Kurses mussten wir die Strecke in exakt 60 Minuten schaffen. Jede Minute mehr ergab einen Punkt Abzug und damit eine schlechtere Zensur. Ein Schulfreund von uns durfte ein Motorboot fahren. Wie verlockend erschien der Gedanke, uns einfach im Schlepptau über den Wannsee ziehen zu lassen. Am Tag der Prüfung ruderten wir los. Wir ruderten und ruderten bis wir außer Sichtweite waren. Verabredungsgemäß kam P. mit einem Motorboot über den Wannsee angebraust, schmiss uns die Leine rüber, die wir am Ruderboot festmachten und startete durch. Die Heckwelle seines Bootes war beim Durchstarten des Motors so riesig, dass sie ins Ruderboot schwappte und unser Kahn innerhalb weniger Sekunden absoff. Wir retteten uns auf sein Boot und mit dem Ruderboot unter Wasser im Schlepptau kehrten wir zum Ruderhaus zurück. Ich weiß nicht mehr, welche Geschichte wir uns ausdachten, um unserem Sportlehrer unsere eigentümliche Rückkehr zu erklären. Spielt auch keine Rolle, geglaubt hat er sie uns wahrscheinlich sowieso nicht.
Bei dem Hügel im Hintergrund müsste es sich um den Luisen-Berg an der Grenze zu Kladow handeln. Ich hab in Erinnerung, dass oben drauf ein großer Holzturm gestanden hat, von dem man aus weit nach Westberlin rein und insbesondere auf die direkt an der Grenze befindliche Kaserne, der heutigen Blücherkaserne, blicken konnte. Angeblich soll es ein Feuer-Wachturm gewesen sein.
In Kladow befand sich die Westberliner Zoll - Grenzkontrollstelle für den grenz-überschreitenden innerdeutschen Warenverkehr. Hier lagen Westberliner Zollboote. Ein Zöllner, der dort tätig war erzählte mir mal eine Begebenheit, die er selber im Dienst erlebt hat. Er war zum Küchendienst eingeteilt allein im Zollgebäude tätig und war gerade damit beschäftigt, Essen für die auf dem Wasser befindliche Schicht zu kochen, als er aus dem Fenster heraus ein Boot sah, welches Kurs auf die Anlegestelle hatte. Er traute seinen Augen nicht ! Es war tatsächlich ein DDR-Grenzschutzboot ! Und es wurde noch besser ! Das Boot legte an und ein volluniformierter und bewaffneter DDR Grenzer entstieg, lief den Steg entlang und klopfte an die Tür. Der Zöllner, seinerseits mit einer Kochschürze bewaffnet, öffnete die Tür und vor ihm stand der DDR-Grenzer, am ganzen Körper wie Espenlaub zitternd, reichte ihm das Sturmgewehr entgegen und sagte wörtlich: „ Ich ergebe mich !“. Der Zöllner versicherte glaubhaft, dass die ganze Szene in dem Moment völlig surreal gewesen sei. Er nahm das Gewehr entgegen und stellte es beiseite und bugsierte den völlig verängstigten Menschen erst mal auf einen Stuhl. Der gab nur wirres Zeug von sich und stand offensichtlich unter Schock. Nach Abgabe eines für solche Fälle vorbereiteten Funkspruchs an Polizei und die Briten war dann natürlich schnell die Hölle los. Auch mit solchen Situationen musste man jederzeit rechnen
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